Farbe zeigen

Karriere in einer Männerdomäne

Unsere Alumna Anna Theresa Tüshaus ist bei Knorr-Bremse zielstrebig auf dem Weg nach oben. Aktuell führt sie einen Bereich mit rund 20 Männern und keiner einzigen Frau. Mit den vielen männlichen Kollegen kommt die Maschinenbauerin gut zurecht – hohe Schuhe anziehen, den Mund aufmachen und Kante zeigen, das sind ihre Tipps für Frauen. Und: Gas geben.

Anna Tüshaus hat es eilig. Um sechs Uhr morgens sitzt sie schon am Computer, sie denkt schnell, redet noch schneller. Weiterkommen und bloß nicht still stehen.

Anna übernimmt gerade einen neuen Bereich; 20 Mitar­beiter führt sie nun. Unter ihnen ist keine einzige Frau. „Ich fühle mich wohl bei Knorr-Bremse, ich habe kein Pro­blem damit, unter Männern zu arbeiten“, sagt Anna und man glaubt es ihr. „Vielleicht bin ich blind gegenüber frauenfeindlichen Bemerkungen, aber vielleicht gab es sie mir gegenüber auch wirklich noch nicht.“ Natürlich kommt Annas Durchsetzungsvermögen bei Knorr-Bremse nicht von ungefähr.

In Verhandlungen lässt sie sich grundsätzlich nicht unterbrechen. Sie redet einfach weiter.

Sie arbeitet viel, mit Elan und mit dem Anspruch, stets exzellente Leistungen zu bringen. Dabei geht sie auch gerne die Extra-Meile. Und sie zeigt Größe, nicht nur auf inhaltlicher Ebene: „Zu wichtigen Terminen trage ich immer hohe Schuhe, auf Augenhöhe unterhält es sich leichter“, erklärt Anna und lacht.

Sichtbar sein – das ist Annas wichtigster Tipp. „Nicht in der Menge mitlaufen, dann ergeben sich keine Gelegenheiten, auf sich aufmerksam zu machen. Aalglatt und angepasst hilft dir nicht. Bleib mit allen Ecken und Kanten du selbst.“

Wenn dein Name dem Management bekannt ist, ist der Weg nach oben einfacher – davon ist sie überzeugt. Ihr Einstiegsjob als Referentin der Geschäftsführung hat es ihr in dieser Hinsicht leicht gemacht. Mit so einer Position die Karriere zu starten, hatte sie einem Zufall und nicht zuletzt auch dem Collège zu verdanken: Während ihres MBA am Collège des Ingénieurs war Heinz Hermann Thiele, damaliger Eigentümer von Knorr-Bremse, für einen Abend zu Besuch am Collège. Anna saß beim Dinner am selben Tisch und trank Wein mit ihm. Einige Zeit später bat er um Annas Lebenslauf und um ein Telefonat, in dem er sie fragte, ob sie sich vorstellen könnte, bei Knorr-Bremse zu arbeiten.

Es folgte ein Gespräch mit dem Personalleiter. Seine erste Frage war, wohin Anna wolle. Ihre spontane Reaktion: „Nach ganz oben!“

Danach stieg sie bei Knorr-Bremse ein. Sie sei zielstrebig, habe aber auch viel Glück mit Förderern, die sie begleiten, meint die 33-Jährige.

Es gelte aber auch, das Glück beim Schopfe zu packen. „Nein“ sagen sei keine Option, findet Anna. So ging es ihr mit ihren zwei Jahren Berufserfahrung in Großbritannien. An einem Freitagabend fragte ihr Chef sie, ob sie eine Position in England übernehmen wolle, wo Knorr-Bremse gerade eine Firma gekauft hatte. „Nach einem emotionalen Wochenende habe ich dann am Montag zugesagt. Eine Woche später bin ich umgezogen.“

Als Technical Sales Manager hat sie den Technischen Vertreib geleitet. Alle Themen, die aus München kamen, sind auf ihrem Tisch gelandet. Es sei anstrengend gewesen, erinnert sie sich, aber für ihre Karriere stellte sich die Position als sehr wichtig heraus. So ein Angebot dürfe man nicht ausschlagen.

„Die Position war eigentlich zu groß für mich. Aber ich habe trotzdem zugesagt.“

Sie definiere sich sehr über ihre Arbeit. „Ich bin so aufgewachsen, der Job war in meiner Familie an erster Stelle. Es muss Spaß machen! Und es muss etwas ändern. Ich möchte einen Unterschied machen. Wenn meine Arbeit in der Schublade landen würden, würde ich durchdrehen.“ Sie mache sich aber auch keine Illusionen. Wenn sie morgen der Bus überfahre, mache jemanden anderes ihren Job weiter.

Und der Gender Pay Gap? „Hau drauf!“ sagt Anna sich selbst und ihren Freundinnen vor jeder Gehaltsverhandlung.

Zurück